Pflanzenmilch-Rezepte

Samstag, 9. September 2017

Ob das nun korrekt Milch oder tierfreie Milch oder milchfreie Milch oder nichtmilch-Milch heißen mag, ist mir ziemlich Jacke wie Hose. Ich denke, mit den Begriffen Sojamilch, Hafermilch, Nussmilch, etc. können alle was anfangen.

Seit einiger Zeit probier ich immer mal wieder was Neues aus in Sachen Milch-Alternativen. Ein paar Ergebnisse will ich mit euch teilen. Da der Artikel nun doch ziemlich lang geworden ist, habe ich Sprungmarken eingebaut:

Im Folgenden erzähle ich zu jeder Milchart etwas über die Zubereitung, Verwendung und sonstige Besonderheiten. Grundsätzlich verläuft die Herstellung immer nach demselben Prinzip: Grundstoff (Also Bohnen, Flocken, Kerne, etc.) mit Wasser übergießen, ziehen lassen, ggf. aufkochen, pürieren, ggf. abseihen. Fertig. Keine große Kunst.

Zum Einsatz kommen Wasserkocher bzw. Topf und Herd, Pürierstab oder Mixer, feines Sieb oder Mulltuch. Und natürlich Gläser bzw. Glasflaschen zum Abfüllen. Diese bitte mit kochendem Wasser sterilisieren. Im Kühlschrank ist keine der Varianten länger als zehn Tage bis höchstens zwei Wochen haltbar. Deshalb ist es ratsam, lieber öfter kleinere Mengen herzustellen. Was wiederum bedeutet, dass die Herstellung nach Möglichkeit eher einfach sein sollte.

Sojamilch

Die Herstellung von Sojamilch ist ziemlich aufwändig und lohnt sich eigentlich nur, wenn man größere Mengen davon (ver-)braucht. Ich hab versucht, Sojamilch einzufrieren. Die war zwar absolut genießbar, aber krisselig geworden. Im Tee oder Kaffee optisch also nicht mehr der Brüller.

Das Rezept für selbstgemachte Sojamilch habe ich von experimentselbstversorgung.net - Bei diesem Link (wirst du höflich gebeten, deinen Adblocker auszuschalten) geht es ums Selbermachen von Tofu, der bekanntermaßen aus Sojamilch gewonnen wird und deren Herstellung wird ebenfalls beschrieben.

Du brauchst eine Tasse getrocknete Sojabohnen, die über Nacht in Wasser eingeweicht werden. Gut abspülen und in frischem Wasser 30 Minuten köcheln lassen. Nochmals spülen und wieder mit frischem Wasser pürieren. Dabei am besten portionsweise vorgehen: Je Tasse gekochter Sojabohnen zwei bis drei Tassen Wasser zufügen.

Den Brei durch ein feines Sieb gießen, was dabei raustropft, ist die Sojamilch. In Flaschen abfüllen. Das, was im Sieb verbleibt, nochmals gut ausdrücken, ggf. durch Verwendung eines Mulltuchs, Nussmilchbeutels, o.ä. Der verbleibende Rest nennt sich Okara und kann weiterverwendet werden: Für Bratlinge, im Kuchen (Mehl teilweise ersetzen) - es gibt hierzu jede Menge Rezepte, einfach mal die Suchmaschine bzw. Rezeptportal deines Vertrauens befragen.

Mein Fazit: Die Menge war für mich viel zu viel. Weniger zu machen, würde den Aufwand wiederum nicht lohnen. Da ich bei uns Sojabohnen nur in Plastik verpackt gefunden habe, ist es mülltechnisch betrachtet günstiger, auf die fertige Sojamilch vom Bodensee zurückzugreifen, wenn ich mal mehr Milch brauche. Wenn du viel Verbrauch hast und vielleicht sogar noch Bohnen aus der Bodenseeregion in Nicht-Plastik verpackt auftreibst (bitte mir einen Kommentar schreiben!), dann ist die Eigenproduktion sicher sinnvoll. Zumal durch das Nebenprodukt Okara gleich noch das Mittagessen und der Sonntagskuchen auch schon halb mit rausspringen.

nach oben

Lupinenmilch

Die Lupine wird quasi als europäische Sojabohne gehandelt. Nicht zu unrecht, wenn man die "inneren Werte" wie Phytoöstrogene oder Eiweißgehalt vergleicht, die bei Soja und Lupine ähnlich hoch sind. Die Lupinensamen - die wie Bohnen aussehen - schmecken zwar recht bitter, das lässt sich durch mehrmaliges Spülen (oder langes Kochen) aber gut rauswaschen.

Ich habe 100 g Samen mit kochendem Wasser übergossen. Nach ein paar Stunden gut abspülen, erneut mit Kochwasser übergießen. Nochmals wiederholen, insgesamt sollten die Samen 24 Stunden ziehen. Sie quellen dabei ungefähr auf das Dreifache ihres Volumens auf.

Am nächsten Tag nochmals spülen, etwas anpürieren und mit Wasser aufkochen, ca. 30 Minuten köcheln lassen. Dann alles ordentlich pürieren bzw. zermixern. Wenn es jetzt eine breiige Konsistenz hat: Abkühlen lassen, In Gläser (zu zwei Drittel) füllen. Dieses "Konzentrat" kann problemlos eingefroren werden.

Wenn es sofort Milch werden soll, einfach noch etwas heißes Wasser zufügen, nochmals durchmixen und durch ein Sieb gießen. Auch hier kann die übrigbleibende feste Masse im nächsten Kuchen oder Brot mit verarbeitet werden. Gut ausgedrückt kann der Rest aber auch zwischen zwei Geschirrtüchern ausgebreitet getrocknet werden und ist so einige Wochen haltbar. Das funktioniert übrigens auch beim Okara.

Für die eingefrorene Variante gilt: Auftauen, 1:1 mit Kochwasser übergießen, ggf. nochmal ne halbe Stunde ziehen lassen, durchpürieren, abseihen. Fertig. Leider kann ich hier sonst keine genauen Mengenangaben machen, da mir auf dem Herd einiges übergekocht ist. "Leise köcheln lassen" ist bei einem Gasherd und einer kleinen Menge Kochgut eher schwierig. :)

Mein Fazit: Ergiebiger als Soja und dass es als "Konzentrat" einfrierbar ist, ist ein dickes Plus. Dadurch lohnt es sich, auch größere Mengen vorzubereiten und portionsweise nach Bedarf aufzutauen. Es bleibt ein ganz leicht bitterer Nachgeschmack - aber das auch nur im direkten Vergleich z.B. zu Sojamilch. Dass es sich bei der Lupine um ein einheimisches Gewächs handelt, ist ein weiterer Pluspunkt. Wenn die Frage lautet: Soja- oder Lupinenmilch selber machen, lautet meine Antwort definitiv: Lupinenmilch!

nach oben

Hafermilch

Die wohl einfachste Variante: Ein bis zwei Esslöffel Haferflocken mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, eine Stunde ziehen lassen, pürieren. Fertig. Wer mag, kann die Milch durch ein Sieb gießen, das ist aber mE. nicht zwingend nötig. Bei Verwendung von feinen/zartschmelzenden Haferflocken kann man sich das sparen.

Mein Fazit: Ich liebe Haferflocken und somit auch Hafermilch. Daher stört mich ein bisschen Bodensatz im Cappuccino nicht im Geringsten. Meistens gieße ich die Haferflocken morgens auf und pürier abends durch. In eine Flasche umfüllen. Fertig. Die Menge ist genau ausreichend für die Glasflaschen von Grillsaucen. Da ich morgens sowieso den Wasserkocher anwerfe, ist es praktisch kaum ein Mehraufwand. Einziger Nachteil: Schwarzer Tee wird durch Hafermilch nicht aufgehellt, hierfür ist sie also leider nicht geeignet.

nach oben

Hirsemilch

Hier kann ich es mir leicht machen und schreiben: siehe oben. Herstellung exakt wie bei der Hafermilch. Es gelten dieselben Vor- und Nachteile. Beide - Hirse und Hafer - haben einen starken Eigengeschmack. Wer den mag, wird wie ich von Hafer- und Hirsemilch absolut überzeugt sein.

nach oben

Roggenmilch

Ein lustiger Versuch war die Verwendung von Roggen- statt Haferflocken. Da wird keine "Milch" draus, da sich die einzelnen Bestandteile nicht so recht verbinden wollen. Zur Verwendung muss also immer gut durchgeschüttelt werden bzw. wäre hier ein Abgießen anzuraten. Geschmacklich eher herzhaft, was eine interessante Note verschafft.

Mein Tipp: Einfach mal ausprobieren - gerne auch mit anderen Getreideflocken. Dazu will ich mit diesem Beitrag anregen. Gerade die Herstellung von Getreidemilch aus Flocken ist so simpel und lässt sich auch in kleinen Mengen schnell umsetzen. Wer weiß, welche Geschmäcker da noch lauern?

nach oben

Nussmilch

Da verweise ich auf Marias Anleitung für Walnussmilch: 50 g Walnüsse über Nacht in Wasser einweichen. Am nächsten Tag spülen, mit einer Prise Salz und 500 ml Wasser gut pürieren/zermixern. Durch ein feines Sieb oder Nussmilchbeutel abgießen. Es ist wirklich unglaublich, dass da so richtig "milchige Milch" dabei rauskommt - und das schmeckt soo legga! Das Rezept hier steht stellvertretend für Nussmilch. Statt Walnüsse können auch Mandeln, Cashewkerne, etc. verwendet werden.

Mein Fazit: Denkbar einfache Zubereitung und das Ergebnis - zum Niederknien! Ich bin hier hin- und hergerissen zwischen der supersuperleckeren Nussmilch und den armen zermatschten Nüssen, die doch so (oder von Schokolade umhüllt, im Kuchen, in Keksen, in Müsli, ...) schon gut schmecken! :) Kleiner Trost: Auch hier kann der "Nussmatsch" im nächsten Kuchen oder Dessert gut untergebracht werden.

nach oben

Sonnenblumenkernmilch

Das ist quasi Nussmilch, die wie Hafermilch hergestellt wird: Zwei Esslöffel Sonnenblumenkerne mit 250 ml heißem Wasser übergießen. Über Nacht (oder von morgens bis abends) ziehen lassen, pürieren. Durch einen Nussmilchbeutel/Mulltuch gießen. Fertig. Wenns noch schneller gehen soll: Einen kleinen Vorrat gemahlener Sonnenblumenkerne anlegen, da reicht eine Stunde Ziehzeit aus. Anschließend gut durchpürieren. Abgießen.

Mein Fazit: Meine Lieblingsmilch für die kalte Jahreszeit. Die färbt nämlich auch im Tee (im Gegensatz zu Hafermilch) und verleiht eine leicht sahnig-cremige Note. Für mich das perfekte Mittelding zwischen Hafer- und Nussmilch.

nach oben

Abfall (von Verpackungsmüll abgesehen) gibt es bei keiner Milch-Variante. Die "Matschreste" können immer zum Backen oder Kochen weiterverwendet werden. Gut ausgedrückt und auf einem Geschirrtuch ausgebreitet können die Krümel auch getrocknet werden und sind lange haltbar.

Ich hoffe, ich hab dich jetzt auf den Geschmack gebracht. Schau doch mal, was du an Nüssen, Kernen, Flocken gerade da hast und probier einfach mal aus. Es ist wirklich kein Hexenwerk und funktioniert prima mit einem einfachen Pürierstab. Gerade bei kleineren Probier-Mengen muss ja nicht gleich die Küchenmaschine eingesaut werden.

Keine Ausreden mehr! Ich freu mich auf Kommentare :)

nach oben

zum Kommentar-Formular

Karin hat am 10.09.2017 um 19:47:04 geschrieben:

hi, habe mir auch angewöhnt meine Pflanzenmilch selber herzustellen. Soja schmeckt mir persönlich gar nicht weder als Bohne, noch als Tofu noch sonstwie, aber Nuss und Getreidemilch mmmmm. Auf die Idee mit den Sonnenblumenkernen bin ich noch nie gekommen. Muss ich mal probieren. Die bekomme ich hier sogar lokal am Bauernmarkt in Bioqualität. Ich wundere mich nur warum die gekauften Dinger so teuer sind, vor allem im Vergleich zu Kuhmilch.

Zauberweib antwortet:

Das weiß ich auch nicht, wobei bei Sojamilch schon ein bisschen Aufwand dahinter ist. Aber alles andere lässt sich so einfach selber machen - probier die Sonnenblumenkernmilch einfach mal aus. Ich find die soo legga!

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Kommentare werden erst nach Freischaltung sichtbar.

Frame nachladen (neues Fenster)