Mein langer Weg zur ePA

Nachdem zum Jahresanfang 2025 die elektronische Patientenakte (ePA) eingeführt wurde, hatte ich darauf gewartet, dass meine Krankenkasse dabei sein würde - und vor allem, dass die Nutzung über den Browser möglich sein wird. Schließlich haben solche sensiblen Daten (ebenso wie Finanzielles) nichts auf dem Handy zu suchen. Ich hatte nach längerer Recherche eine URL gefunden (nicht nur für meine Krankenkasse), die mir mitgeteilt hat, dass es Ende Juni soweit sein sollte. Spoiler: War es nicht. Auch nicht Ende Juli und auch nicht Ende August. Daher war ich völlig verblüfft, als es Mitte September plötzlich hieß, dass es jetzt läuft.

Da kam schon die erste Verwirrung/Enttäuschung. Denn es gibt keine Online-Browser-Nutzung. Man muss sich ein AppImage runterladen - das es sogar für Linux gibt. Nun gut. Bereits ein Jahr vorher musste ich eine äußerst umständliche Authentizitätsprüfung durchführen lassen, woraufhin mir eine Pin geschickt wurde, um die ePA, bzw. die App-Services der Krankenkasse allgemein, nutzen zu können. Von daher sollte nach der Installation des AppImages dem Ganzen nichts mehr im Wege stehen.

Dachte ich. Denn beim ersten Start des Programms wurde ich darauf hingewiesen, dass ich zur Nutzung ein externes Kartenlesegerät benötige. Ernsthaft?! Die haben mich vier Monate auf der ePA-Homepage vertröstet und es nicht geschafft, darüber zu informieren, dass man sich in der Zwischenzeit ein Kartenlesegerät xy besorgen könnte? Nun gut, die haben auch immer von Online-Anwendung im Browser geredet, wasses schließlich auch nicht ist.

Also das Ganze nochmal verzögert, mir für teuer Geld ein Kartenlesegerät besorgt. Ende September ausprobiert. Die Pin wär falsch. Kann nicht sein, war im Umschlag drin - bei solchen Sachen bin ich wirklich sehr sehr penibel! Irgendwann hieß es: gesperrt. Große Klasse! Nochmal im Umschlag geguggt, Puk gefunden. Die hat ebenfalls nicht funktioniert. Bis mir aufgefallen ist, dass das Logo auf dem Schreiben nicht das meiner Krankenkasse ist?! Aus welchen Gründen auch immer war in diesem Umschlag die Pin/Puk meines Personalausweises gelandet. Klar, dass die nicht funktioniert hatte. Und ich bin in diesen Dingen wirklich sehr pingelig! Keine Ahnung, wie mir sowas passieren konnte!

Ich hab also meine Krankenkasse kontaktiert. Was nicht einfach ist, da die offenbar nicht (per Mail oder Kontaktformular) kontaktiert werden wollen. Es gibt zwar einen Chat-Heini, aber dessen Antworten sind nicht nur nicht hilfreich, die passen nicht mal zur Frage. Irgendwo hab ich schließlich ne Mailadresse gefunden und konnte mein Problem schildern. Am Ende musste ich doch telefonieren. Dabei wurde mir mitgeteilt, dass ich noch gar nicht für die ePA registriert bin. Das muss extra gemacht werden. Mein Fehler, wie konnte ich annehmen, dass die Identifikation für die elektronische Gesundheitskarte dasselbe ist wie die Registrierung für die elektronische Patientenakte. *sfz*

Die Registrierung für die ePA geht leider nur über die App! Also: App runtergeladen. Und ungefähr fünftausend Mal versucht, mich zu registrieren. Jedes Mal wurde behauptet, die Kartennummer wäre falsch - diesmal war eine Verwechslung ausgeschlossen. Nach etlichen Versuchen ist in meinem Hinterkopf irgendwie nochmal der Suchverlauf im App-Store aufgeplingt: gabs da nicht zwei Apps? Also nochmal geguggt: Tatsächlich! Es gibt eine Service-App und eine ePA-App von meiner Krankenkasse. Also die zweite App installiert. Leider mit demselben Ergebnis!

Erneut meine Krankenkasse kontaktiert - das zumindest ging über die App ganz einfach. Das war am 7. Oktober. Am nächsten Tag erhielt ich Antwort, dass ich die Nummer falsch eingetippt hätte (NEEEIIIINNNNNN!!!). Der nächste Satz lautete: "Sie finden diese Nummer auf der Rückseite Ihrer neuen Karte, diese wurde am 6.10.2025 per Post an Sie versendet." - Des kannst net erfinden, oder?!

Zwei Tage später hatte ich meine neue Krankenkassen-Karte und ich hab mich erst echt nicht getraut, es zu versuchen. Was geht wohl diesmal schief? Nunja, ich bin einen Schritt weitergekommen. Einen. Weil die wollten noch eine zusätzliche Identifizierung über den Personalausweis. Natürlich nicht über die normale Personalausweis-App - die hab ich nämlich sogar! - nein, die möchten das über eine andere, eigene App machen, die ich dafür natürlich zuerst ebenfalls installieren muss. Wir sind immer noch am Handy: Drei extra installierte Apps dafür, dass ich meine ePA vielleicht hoffentlich irgendwann auf meinem Laptop nutzen kann!

Das mit der Identifizierung hat erst beim ... keine Ahnung, irgendwann geklappt. Es gab da zwar ne Anleitung dazu, dort war jedoch die Reihenfolge falsch beschrieben. Erst als ichs aus lauter Verzweiflung einfach mal andersrum versucht hab, hats plötzlich funktioniert. Also: Die Identifikation! Damit konnt ich mich nun endlich für die ePA registrieren - doch nirgends ein Hinweis, ob das geklappt hatte und mir die Pin/Puk nun zugesandt werden würden. Nichts! Daher hab ich erneut hingemailt und nachgefragt und die Antwort erhalten, dass das automatisch nach der Registrierung vesandt werden würde. Aha. Supi.

Ein paar Tage später hab ich Post von meiner Krankenkasse erhalten. Die Pin/Puk für meine ePA! Und ich bin genau an dem Punkt von vor sechs Wochen, als ich versucht habe, mich mit der falschen Pin anzumelden. Diesmal wars die richtige Pin, weitergekommen bin ich dennoch nicht. Die App am Handy kann ich öffnen - dafür brauch ich gar keine Pin und die Personalausweis-Identifikation war wohl eine einmalige Sache. Ich wills aber nicht am Handy nutzen sodern am Laptop! Und das geht nach wie vor nicht. Meine Krankenkasse hat wieder eine Mail von mir erhalten. Da gabs erst mal Rückfragen (welches Betriebssystem, welche Fehlermeldung).

In der Zwischenzeit kam erneut ein Schreiben von meiner Krankenkasse: man hätte das Login der beiden Apps vereinheitlicht. Nach wie vor zwei Apps (für den Service und für die ePA), die sich nun ein und dasselbe Login teilen. Supi. Bringt mir halt nur überhaupt nichts, weil ich will die ePA ja nicht am Handy sondern am Laptop nutzen! Trotzdem dachte ich mir, ich versuchs mal, mich einzuloggen, vielleicht gehts anschließend sogar am Laptop? Ja, ich weiß, wie verzweifelt das klingt. Allerdings konnte ich mich nun auf den Apps gar nicht mehr einloggen. Am Laptop wird die Pin als korrekt erkannt, der Zugriff auf die ePA geht nach wie vor nicht. Ich hab ne Mail an meine Krankenkasse geschrieben... Die verschachtelte Ansicht meines Emailprogramms war inzwischen extrem verschachtelt!

Die Antwort war, dass sie alles getestet hätte und es müsse funktionieren. Ich solls doch einfach nochmal probieren. Na, herzlichen Dank! Hab ne Nacht drüber geschlafen und es halt nochmal versucht. App am Handy hat nicht geklappt, also spaßeshalber mal das Passwort rücksetzen lassen. Als neues Passwort musste ich ein mindestens zwölfstelliges vergeben - das war vorher nicht so - und damit sind die beiden Apps nun miteinander verknüpft. Hab die ePA-App ebenfalls aufgemacht, also nicht nur angemeldet, sondern direkt reingeschaut, was ich ja eben genau nicht wollte! Immerhin das funktioniert. Also Laptop angeworfen, da wurde mir mitgeteilt, dass mir ein Code per Mail geschickt wurde, den ich angeben sollte. Hab ich gemacht. Glückwunsch, das Gerät ist jetzt verknüpft.

Und dann hats funktioniert. Einfach so kann ich nun tatsächlich auf dem Laptop meine ePA einsehen! Und das hat nicht einmal zwei Monate gedauert, bis es soweit war! Wow!

Ein paar Tage später habe ich alle drei Apps (also die beiden von der Krankenkasse und die seltsame Identifierungs-App) wieder deinstalliert. Noch ein paar Tage gewartet und am Laptop erneut probiert: Es funktionierte nach wie vor!

Seitdem sind einige Wochen ins Land gezogen. Bevor ich den Artikel hier veröffentliche, wollte ich natürlich nochmal guggen. Es gibt eine neue Version des AppImages, die ich runtergeladen hab und prompt ging zunächst gar nichts. Aufgehängt. Natürlich hatte ich die Datei ausführbar gemacht. Doch erst, als ich die überzähligen Punkte aus der Versionsbezeichnung im Dateinamen entfernt hatte, gings.

Leider ist nach wie vor nicht viel drauf, obwohl ich zwischenzeitlich ärztliche Untersuchungen hatte, deren Befunde ich mir gerne ansehen würde. Da werde ich in den Praxen nachfragen. Klar, dass die ePA für diese in erster Linie ein zusätzlicher Aufwand bedeutet. Wobei zu hoffen ist, dass eine entsprechende Funktion in deren Software ergänzt wird, so dass der Upload künftig automatisiert erfolgt.

Abschließend möchte ich ausdrücklich festhalten, dass ich mit meiner Krankenkasse und deren Leistungen sehr zufrieden bin. Dass die Menschen dort freundlich und kompetent sind und jegliche Abwicklung von Rückerstattungen und anderen Leistungen immer vollkommen reibungslos funktioniert. Das einzige, was ich bei dieser ganzen Geschichte hier an meiner Krankenkasse bemängeln kann, ist das Fehlen einer Email-Adresse oder eines einfachen Formulares zur Kontaktaufnahme auf deren Website. Telefon ist für mich eher eine schlechte Option und der Chat-Heini ist leider die völlige Fehlbesetzung. Sorry.

Was ist mit euch? Nutzt ihr die ePA? Ging das bei euch reibungslos oder eher so buckelpistig wie bei mir? Wie steht ihr dazu?

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